Sehnsucht Lago – Folge 9
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Jan saß im Sessel, den Pappkarton auf den Knien, biss von der Pizza ab. Dünner Boden. Holzofengeschmack. Während er aß, drückte er die Fernsehkanäle durch. Blieb hängen.
Gladiator.
Die Holzpforte knallt auf. Gleißend brennt die Sonne auf den Sand. Maximus tritt in die Arena. Gezeichnet vom Sklavendasein. Ausgebildet, um für seinen Besitzer zu siegen. Die Zuschauer johlen. Um ihn Männer verschiedener Nationen und Hautfarben. Dann Fanfaren. Die Tore gegenüber öffnen sich. Streitwagen donnern heran. Maximus hält das Schwert fest in der Hand, der Blick dunkel, entschlossen. Die anderen stieben auseinander. Er schreit: „Zusammenhalten!“ Dann Chaos. Ein Pferd stürzt. Blut auf dem Sand. Maximus kämpft präzise, überlegen. Rettet einige. Tötet andere. Am Ende steht er noch – blutbesudelt, röchelnd. Als Sieger. Der Applaus ist ihm gleichgültig.
Jan kannte den Film. Maximus, der Verratene, der Held, der zum Werkzeug wurde. Er musste an seinen eigenen Weg denken. Fußball. Sein ganzes Leben. Von klein auf. Dafür lebte er. Wenn er nur einen Ball kicken konnte, war ihm der Rest egal – Schule, Hausaufgaben, Freunde. Einen Tag nicht Fußball spielen zu dürfen, war die größte Strafe für ihn gewesen. Es hatte ihn gepackt, süchtig gemacht – Tricks, Schüsse, Bewegungen. Für ihn gab es nichts anderes mehr.
Er starrte auf den Bildschirm. Ein weiterer Kampf, aber er nahm ihn kaum noch wahr. Stattdessen dachte er an das Finalspiel, damals in der Jugendauswahl. Regen im Stadionlicht. Zittrige Hände. Der schwere Platz, sein Körper hellwach. Dann in der 82. Minute der Lauf. Drei Verteidiger vor ihm. Der kurze Doppelpass. Der Schlenzer ins lange Eck. Das Tor. Die Arme ausgebreitet, weitergelaufen, ohne Ziel, getragen vom Jubel. Aber nicht der Jubel klang in ihm nach. Sondern dieses freie Fließen des Spiels. Jedem war klar, wohin der Ball als Nächstes gehörte. Der Mitspieler war da. Der Pass kam. Der Raum öffnete sich. Alles im richtigen Moment.
Das Spiel schien sich selbst zu spielen. Es brauchte keine Helden. Er mittendrin.
Das Feld, der Ball, die Regeln – alles war gleich geblieben. Und doch …
Es fühlte sich nicht mehr so an.
Aus dem staubigen Licht des alten Roms drängte sich ihm ein Gedanke auf: Maximus wusste, wofür er kämpfte.
Und er?
Update zu Jan – Leider nicht das, was wir gehofft hatten
Hey Leute,
ich wollte heute eigentlich gute Nachrichten schreiben. Aber es sieht leider nicht so aus.
Jan wird nochmal aussetzen müssen. Seine Verletzung ist wohl doch noch nicht ganz verheilt, wie man erst dachte. Das ist echt hart. Für ihn. Für das Team. Für uns alle.
Wir haben ihn in den letzten Tagen wieder lächeln sehen, er war auf dem Trainingsplatz, alles sah gut aus. Und dann sowas. Ich kann mir vorstellen, wie enttäuscht er gerade sein muss. Er hat sich so zurückgekämpft. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf!
Jan, falls du das liest (man weiß ja nie): Wir stehen hinter dir. Komm zurück, wenn du wirklich ready bist. Nicht früher.
Ich halte euch auf dem Laufenden.
Eure Jule
#comeback #niemalsallein #wirsindjan
Folge 10 erscheint am Donnerstag.
Wie geht Jans Geschichte weiter?
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Hallo Bernd, ich finde deinen Roman bis jetzt spannend und man möchte wissen wie es weitergeht. Ich fühle mit Jan und finde seinen „Ausbruch“ einerseits mutig andererseits dumm.
Der Vergleich mit dem Gladiator hat mir gefallen.
Profisport ist auch immer ein Kampf … ein Wettkampf. Anmerkung: Ich hatte darüber mal einen Aufsatz schreiben müssen. Haha
Ich bin gespannt auf weitere Folgen.
Es grüßt dich Heidi
Liebe Heidi,
vielen Dank für deinen Kommentar! Es freut mich sehr, dass dir der Roman gefällt und du mit Jan mitfühlst.
Für mich sind es genau diese nicht eindeutigen Situationen und Entscheidungen, die eine Geschichte spannend machen. Und schön, dass dir auch der Vergleich mit dem Gladiator gefallen hat. 😊
Vielen Dank fürs Mitlesen – ich freue mich, wenn du auch bei den nächsten Folgen dabei bist!
Herzliche Grüße
Bernd